FaMi-Siegel macht auch andere neugierig

Lüneburger Initiative will aber regional bleiben – Neu ausgezeichnete Betriebe stellen sich vor

04FaMi Siegel LGLüneburg. Die Familienfreundlichkeit von Firmen kann viele Gesichter haben – eines allerdings ganz selten: Arbeitszeiten von 8 bis 12 Uhr. Wie viele unterschiedliche Modelle und Maßnahmen regionale Unternehmen einsetzen, damit ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Familie und Beruf besser unter einen Hut bekommen, macht die Initiative Familien-Siegel deutlich. Jetzt haben acht neue Lüneburger Betriebe die Auszeichnung für den Aktionszeitraum 2016-2018 erhalten. 14 wurden rezertifiziert. 

 

Das „Familiensiegel für familienfreundliche Unternehmen in Nordostniedersachsen“, kurz FaMi-Siegel, sei ein Abbild der Zeit, sagte Brigitte Kaminski, Mitinitiatorin des 2010 gestarteten Projekts, beim jüngsten Treffen für Lüneburger Betriebe. „Es spiegelt die Änderungen in der Gesellschaft wider, dem Wunsch vieler Menschen nach mehr Zeit für Familie und Privatleben.“

Längst hat sich die Idee weit über die Region hinaus herumgesprochen, die Gemeinschaftsinitiative hat die Marke FaMi-Siegel daher mittlerweile schützen lassen.  „Wir bekommen regelmäßig Anfragen, das FaMi-Siegel auch anderswo zu verleihen“, sagte Kaminski. „Das ist aber nicht unser Ziel. Wir wollen regional bleiben und engen Kontakt zu den Unternehmen halten.“

Gastgeberin des Netzwerktreffens war die Marwitz Textilpflege GmbH, das Familienunternehmen in sechster Generation ist gerade erstmals mit dem FaMi-Siegel ausgezeichnet worden. „Wir haben die Werte unserer Eltern und Großeltern mitbekommen und passen sie permanent an die aktuellen Bedürfnisse unserer Mitarbeiter an“, sagte Geschäftsführerin Katrin Perczynski. „Als wir den Bogen für die Bewerbung ausgefüllt haben, ist mir erst bewusst geworden, wie viel wir eigentlich anbieten. Es geht darum, dass dies alles nicht nur auf dem Papier steht, sondern wirklich gelebt wird.“

Familienfreundlichkeit ist dabei kein Thema nur für junge Eltern. „Familie ist mehr als Kinder“, sagte Uta Junge, Personalreferentin der Sparkasse Lüneburg. „Es geht auch um Partnerschaft und zu pflegende Angehörige.“ Claudia Kutzick von der Volkshochschule Region Lüneburg nannte ein Beispiel dafür, was individuelle Lösungen möglich machen: Die VHS hat just eine Frau mit drei kleinen Kindern für die Leitung einer Abteilung eingestellt. „Gemeinsam haben wir ein Modell gefunden, wie das für beide Seiten möglich sein kann.“

Dass familienfreundliche Maßnahmen für die einen nicht zu einer Überlastung für andere werden dürfen, darauf machte Rolf Sauer, Geschäftsführer der Gesundheitsholding Lüneburg, aufmerksam. Vier Betriebe der Holding tragen jetzt erstmals das Siegel. Sauer machte auch den Rahmen deutlich, innerhalb dessen sich die Maßnahmen bewegen können: „Jeder, der sich bei uns bewirbt, muss sich im Klaren darüber sein, dass wir an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden geöffnet haben.“

Dass auch in Betrieben mit Familien-Siegel nicht alles möglich sein kann, was sich manche Mitarbeiterinnen oder Mitarbeiter wünschen, darauf wies Annette Smit vom HOLD Modevertrieb hin. „Bestimmte Dinge müssen einfach erledigt werden, ob mit oder ohne Siegel.“ Das konnte Ina Wenhold von Deerberg nur bestätigen: „Familienfreundlichkeit heißt nicht: Arbeitszeiten von 8 bis 12 Uhr.“

Familienfreundlich zu sein, das bedeutet vielmehr, in persönlichen Gesprächen gemeinsam Modelle und Lösungen zu entwickeln, offen zu sein für die Ansprüche von Angestellten und Arbeitgeber gleichermaßen, darin waren sich alle Ausgezeichneten einig. Und dass um das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf heute kein Unternehmen mehr herumkommt, darüber auch: Denn für Fachkräfte ist dieser Aspekt heute bekanntlich wichtiger als das Gehalt.

Neu in der Runde der Siegelträger sind aus Lüneburg jetzt folgende Betriebe: Marwitz Textilpflege, vier Töchterfirmen der Gesundheitsholding Lüneburg, Steuerkanzlei Wilke und Ostermann, Reha Lüneburg und Seniorenpflegeheim Zum Alten Gutshof GmbH. Rezertifizieren lassen haben sich: imnu Personalentwicklung, Loewe-Stiftung, HOLD Modevertrieb, Volkshochschule Region Lüneburg, Steuerberatung Bittrich und Bittrich, AMP Ackermann, Meyer & Partner, Deerberg GmbH, SteP gGmbH, Sparkasse Lüneburg, LAP GmbH, Icarus Consulting, Leuphana Universität Lüneburg und Agentur für Arbeit, IHK Lüneburg-Wolfsburg

Zur Gemeinschaftsinitiative FaMi-Siegel gehören Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg, Überbetrieblicher Verbund Frau und Wirtschaft Lüneburg.Uelzen e.V., Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, Arbeitgeberverband Nordostniedersachsen e.V., Wirtschaftsförderungsgesellschaft Stadt und Landkreis Lüneburg, Deutscher Gewerkschaftsbund und Leuphana Universität Lüneburg.

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